Diese Villa wurde im Jahr 1895 vom Architekten Albert Sauter für den Bauherrn Heinrich Klose errichtet. Sie ist eine der letzten von insgesamt 15 historischen Villen, die Ende des 19. Jahrhunderts im Auftrag von Heinrich Klose in dem so genannten “englischen” Viertel erbaut wurden. In den 1960 Jahren wurde das Gebäude durch verschiedenste Eingriffe verändert, u.a. die Zumauerung der Balkone und die Aufdoppelung des Nord-West- Erker.
Ein Stück Kulturgut gerettet
Alles begann ganz unerwartet. Ich traf unseren Auftraggeber zur Besichtigung, als das Projekt eigentlich schon fast an Kollegen vergeben war. Doch schnell war uns beiden klar: Wir wollen dieses Projekt gemeinsam angehen. Die Kommunikation, die Ideen, die Werte und die Zielsetzung stimmten sofort – nach einer ersten atmosphärischen Handskizze war der Auftrag unser.
Die historische Villa, 1895 erbaut, war durch unsachgemäße Eingriffe in den 1960er-Jahren derart verändert worden (unter anderem durch Zumauerung von Balkonen und die Aufdoppelung des Erkers), dass ihr der Denkmalschutz entzogen wurde.
Trotz des völlig verbauten Zustands als Dreifamilienhaus erkannten unsere Auftraggeber das enorme Potenzial: Ihr Ziel war es, ein Stück Kulturgut zu retten und den ursprünglichen Charakter des Gebäudes wiederherzustellen. Da es keine direkte Kontrolle der Denkmalbehörde gab, nutzten wir die Chance, dem Haus moderne Aspekte zu verleihen und es in ein helles, großzügiges und funktionelles Einfamilienhaus zu verwandeln. Gleichzeitig war uns die Flexibilität wichtig, die Etagen bei Bedarf wieder in Wohneinheiten zu gliedern – ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit.
Unsere zentralen Entwurfsgedanken
Wiederherstellung der Proportionen: Durch den Rückbau des Erkers im ersten Obergeschoss haben wir die Proportionen der Hauptfassade wiederhergestellt und einen schönen Balkon geschaffen, der Licht in das Innere bringt.
Die "Glasfuge": Wo früher Balkone waren, planten wir eine zweigeschossige "Glasfuge". Sie fungiert als modernes, transparentes Bindeglied und lässt Tageslicht auf voller Geschosshöhe tief in das Gebäude, während sie von innen den Ausblick in die grünen Hintergärten ermöglicht. Diese Interpretation der ursprünglichen Balkone überzeugte auch das Stadtplanungsamt.
Der Rückzugsort unter dem Dach: Wir öffneten das Dach zum Garten hin für eine großzügige Dachterrasse. Dies schafft den notwendigen Lichteinfall in das sonst verschlossene Dachgeschoss und bietet einen privaten Rückzugsort, um abends die durch einen Baum gefilterte Abendsonne zu genießen.
Liebe zum Detail und Materialität
Im Inneren des Hauses lag unser Fokus auf Großzügigkeit und haptischen Qualitäten. Im Erdgeschoss schufen wir eine große Öffnung für einen zusammenhängenden Wohn-, Ess- und Küchenbereich mit direktem Gartenzugang. Im Obergeschoss verbindet eine schmale Enfilade entlang der Außenwand die Bereiche Schlafen, Ankleiden und Bad, was für mehr Privatsphäre und einen weiten Blick durch alle Räume sorgt. Herr Q betonte, dass dies ein sehr moderner Ansatz im Haus sei, der ihm gefalle.
Die Materialauswahl erfolgte äußerst sensibel: Bestehendes wurde, wo möglich, erhalten. Holzböden wurden aufgearbeitet und ergänzt, Terrazzoböden restauriert. Alle Wände wurden mit feinem Kalkputz behandelt und geglättet, was der historischen Bausubstanz und einem hervorragenden Raumklima gerecht wird. Die Leidenschaft unserer Auftraggeber zum Detail und zur Qualität war unverkennbar – sie scheuten keine Mühen und legten oft genug selbst Hand an, um das scheinbar Unmögliche machbar zu machen.
EG
OG
DG
Fazit
Die Mühen haben sich gelohnt. Das Haus ist beeindruckend schön und lichtdurchflutet. Die Idee, das Licht durch die Fassadenöffnung im Westen in das Haus zu bringen, ist voll aufgegangen – es ist abends wunderschön, wenn die Sonne herein streift. Auch die Inneneinrichtung, bei der die Hausherrin ihr gutes Gespür zur Geltung brachte, ist außerordentlich gelungen. Es ist eine perfekte Mischung aus Persönlichkeit und Großzügigkeit. Dieses Projekt war eine gelungene Verbindung, bei der die Leidenschaft der Auftraggeber auf unsere Kreativität, Empathie und unser professionelles Know-how traf.
Kunde privat
Ort Heidelberg
Jahren 2024-2025
Fläche 300m2
Auftrag Leistungsphasen 1 bis 8
Architekt Karoline Becker mit Andrea Hage